07. Oktober 2016 | Nachrichten

"In Gelsenkirchen schmeckt's nach Zukunft!"

Sitzung des Rates der Stadt Gelsenkirchen am 6. Oktober 2016

  • Taner Ünalgan

Rede des Stadtverordneten Taner Ünalgan zur Vorlage "Projekt Digitale Wirtschaft NRW: Gründung der Ruhr:HUB GmbH" (Drucksache Nr. 14-20/3458).

"Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

meine Damen und Herren,

liebe Gäste,

es stimmt ja: Das, worüber wir heute beschließen wollen, klingt auf den ersten Blick ziemlich technokratisch. In der vorliegenden Drucksache mit der Nummer 14-20/3458 geht es um die Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, es geht um die Entsendung eines kommunalen Vertreters in den Aufsichtsrat der zu gründenden Gesellschaft und für die Projektjahre 2016 bis 2018 um insgesamt 71.250,00 Euro, mit denen wir den laufenden Betrieb der Gesellschaft unterstützen wollen.

Das wäre der Einstieg eines Betriebswirtschaftlers in eine solche Rede, der sich, wie ich finde, nicht über die abnehmende Aufmerksamkeit seiner Zuhörer wundern sollte.

Und es geht hier ja auch um viel mehr als um die nackten Zahlen: Das, worüber wir gleich beschließen werden, ist nicht nur präventive Wirtschaftspolitik in der Praxis. Es ist auch ein Stück zeitgemäßer Wirtschaftsförderung.

Mit unserer Beteiligung am Ruhr:HUB eröffnen wir den Gelsenkirchener Unternehmen heute einen VIP-Zugang mit Heimvorteil zur digitalen Wirtschaft. Davon zeugen auch die über 50 Letter of Intents von Instituten und wissenschaftlichen Einrichtungen, von Startups, von mittelständischen Unternehmen und von großen Konzernen aus unserer Region.

Wir bringen den Ruhr:HUB heute auf den Weg und dafür ist im Vorfeld eine Menge Arbeit nötig gewesen. Am Ende ist es der Schulterschluss mit den Städten Essen, Duisburg, Bochum, Dortmund und Mülheim gewesen, aufgrund dessen wir uns im Wettbewerb der Landesregierung durchsetzen konnten und aufgrund dessen wir nun eine millionenstarke Förderung der SPD-geführten Landesregierung zur Unterstützung des digitalen Wandels erhalten.

Ich finde: Dieser gemeinschaftliche Erfolg, diese erfolgreiche Zusammenarbeit des Ruhrgebietes ist ein gutes Beispiel für die Stärke von „Deutschlands größter Stadt“. Das macht Lust auf mehr, gerne auch in weiteren Bereichen. Für diese gute Arbeit gilt unser Dank der städtischen Wirtschaftsförderung.

Der Ruhr:HUB wird als Drehscheibe zwischen der klassischen Industrie, dem Mittelstand und innovativen Startups für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle sorgen. Er soll Existenzgründern dabei helfen, ihre Ideen und Ziele zu verwirklichen. Er treibt innovative Wertschöpfung und Beschäftigung voran. Ich bin davon überzeugt, dass wir davon profitieren werden.

Wir können Strukturwandel.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Wir sind noch längst nicht am Ziel!

Wenn ich mir aber ansehe, was wir bereits alles vorangebracht haben, wenn man sich diese Dynamik ansieht, dann ist das schon bemerkenswert, dann kann man sagen: Gelsenkirchen fährt auf der digitalen Überholspur.

Auf der diesjährigen CeBIT in Hannover, der weltweit größten Messe für Informationstechnik, haben wir eine Smart-City-Kooperation mit dem großen Technologiekonzern Huawei geschlossen. Wer dort war, weiß: Da eröffnen sich spannende Möglichkeiten. Die ersten Arbeitstreffen haben ja auch schon stattgefunden, die ersten Handlungsfelder – Sicherheit, Bildungseinrichtungen und der Straßenverkehr – sind identifiziert.

Huawei ist ja bereits an anderen Stellen in Gelsenkirchen aktiv, wer mal durch das „magische Fernglas“ in der ZOOM Erlebniswelt geschaut und damit bereits Erfahrungen mit den digitalen Möglichkeiten von Unterhaltung und Wissensvermittlung, dem sogenannten „Edutainment“, gemacht hat, der ist dem Unternehmen schon in freier Wildbahn begegnet.

Wir haben WLAN-Hotspots in unseren Innenstädten, an weiteren zentralen Standorten, testweise sogar in unseren Bussen, unsere Verwaltung arbeitet an dem sogenannten „OpenData“-Projekt, auf der Bergmannstraße, direkt an der Bochumer Straße, über die wir ja heute auch sprechen, gibt’s bereits das erste sogenannte „Coworking Space“ in unserer Stadt, dazu kommt das Engagement von Startups, die etwa aus dem Institut für Internet-Sicherheit der Gelsenkirchener Fachhochschule heraus entstehen und von weiteren Einrichtungen, beispielsweise im Wissenschaftspark. Das ist schon bemerkenswert!

Wenn ich jedenfalls eines als junger Stadtverordneter schon gelernt habe, dann ist das, dass man am besten Stück für Stück an großen Projekten arbeitet. Der digitale Wandel in unserer Stadt wird nicht von heute auf morgen abgeschlossen sein – ich bezweifle, dass man bei diesem Megatrend überhaupt von einem Abschluss wird sprechen können. Das ist, wenn Sie so wollen, kein Sprint. Das ist ein Langstreckenlauf. Und das Signal ist: Gelsenkirchen ist mit am Start!

Am vergangenen Wochenende habe ich auf einer Konferenz zur Zukunft des Ruhrgebiets eine „digitale Nomadin“ aus Gelsenkirchen kennengelernt. Das ist jemand, der nicht mehr in festen Büros sitzt, sondern von fast überall arbeitet, zum Beispiel in eben diesen Coworking Spaces, die – unter anderem - mit WLAN und gutem Kaffee aufwarten können.

Sie hat mir jedenfalls eindrücklich geschildert, dass es hier im Ruhrgebiet die Nachfrage von kleinen, mittleren und großen Unternehmen gibt und dass sich viele Menschen, die so arbeiten wie sie, wünschen, dass wir das Thema der Digitalisierung anständig anpacken, weil sie hier, in ihrer Heimat bleiben wollen. Diesen Wunsch sollten wir ihr – und damit auch uns - erfüllen.

Meine Fraktion hat auch beantragt, dass eine Startup-Messe in Gelsenkirchen stattfinden soll. Den jungen Existenzgründern sagen wir als SPD: Wer gute Ideen hat, der muss nicht nach Berlin, Hamburg oder München ziehen, um sein Startup zu gründen. Der ist bei uns herzlich willkommen.

In einer Stadt, deren sämtliche Schulen und Gewerbegebiete ans schnelle Glasfasernetz angeschlossen sind. In einer Stadt, in der es auch zweite und dritte Chancen gibt.

Wir haben eine gute und bezahlbare Infrastruktur, schlaue Köpfe und die nötige Portion Mut. Damit wir am Ende auch hier sagen können: Mit uns wird’s was. Und in Gelsenkirchen schmeckt’s nach Zukunft. Nicht theoretisch, sondern ganz praktisch.

Danke und Glück auf!"

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