01. Dezember 2015 | Pressemitteilungen

Ernst Majewski zur drohenden Schließung des Vaillant-Standortes Gelsenkirchen

Rede in der Ratssitzung am 26. November 2015

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, das, was jetzt mit dem Vaillant-Werk hier in Gelsenkirchen passieren soll ist schlicht nicht zu verstehen. Wieder einmal wie schon vor zwölf Jahren soll ein Werk geschlossen werden, das schwarze Zahlen schreibt und über eine hoch qualifizierte, motivierte Belegschaft verfügt, die nachweislich in der Lage ist, den Standort durch die ständige Umsetzung von Neuerungen hoch profitabel zu halten. Als ehemaliger Betriebsratsvorsitzender stelle ich mir die Frage: Was will ein Unternehmer eigentlich noch mehr, wenn er so eine Situation vor Ort vorfindet? Aus meiner Erfahrung heraus kann ich der Unternehmensleitung nur raten, sich diesen Schritt ganz genau zu überlegen und die Finger davon zu lassen. Der Weg in die so genannten Billiglohnländer hat sich in den vergangenen Jahren für etliche Unternehmen als teures Experiment erwiesen, gerade dann, wenn es um technisch sehr anspruchsvolle Produkte geht, wie sie hier in Gelsenkirchen hergestellt werden.

Bei allem Respekt vor den Kolleginnen und Kollegen in diesen Ländern: Es hat sich gezeigt, dass die Qualitätsstandards meist nicht auf dem hohen Niveau gehalten werden können, das der Markt verlangt.

In der Konsequenz gehen Kunden verloren und der Ruf einer Marke leidet. Und nicht nur das. So eine falsche Entscheidung ist auch nur schwer zurückzuholen. Die Fachkräfte, auf die man sich einst verlassen konnte, sind dann nicht mehr da, weil sie sich längst anderweitig orientiert haben.

Die Kunden haben sich andere Anbieter gesucht und die Konkurrenz ist in Forschung und Produktion meist einen entscheidenden Schritt voraus. Und nicht zuletzt: Werksschließungen, die vor Ort auf entschiedenen Widerstand aller stoßen, schädigen das Image eines Unternehmens so nachhaltig, dass sich das in Euro und Cent niederschlägt. Und es ist bei weitem teurer, verloren gegangenes Vertrauen in eine so traditionelle Marke wie Vaillant zurückzugewinnen, als gemeinsam dafür zu sorgen, dass es gar nicht erst verloren geht.

Schon manches Unternehmen hat also einen vermeintlich betriebswirtschaftlich schlauen Schritt am Ende sehr teuer bezahlen müssen. Die Zeit kurzsichtiger Unternehmensentscheidungen sollte eigentlich vorbei sein. Es sollte eigentlich allgemein bekannt sein, dass es sich bitter rächen kann, wenn man zwar das Wohl der Anteilseigner fest im Blick hat, darüber aber den Kontakt zu denen verliert, die die Werte schaffen und die Produkte kaufen.

Unternehmerisch klüger wäre es, jetzt noch die Kurve zu kriegen und gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen hier vor Ort erneut nach Wegen zu suchen, das Werk mit innovativen Ideen zu sichern. Alle Beteiligten haben ja schon einmal bewiesen, dass das gerade hier in Gelsenkirchen hervorragend funktionieren kann.Es ist nicht zuletzt der Verdienst der flexiblen und engagierten Belegschaft hier vor Ort, dass Gelsenkirchen in der Vaillant-Group der Standort für neue, innovative und nachhaltige Produkte ist.

Noch bis zum heutigen Tag steht in der Unternehmenschronik auf der Vaillant-Homepage unter 2006: „Mit dem Start der Produktion von Wärmepumpen im Werk Gelsenkirchen setzt Vaillant weiter auf den Wirtschaftsstandort Deutschland.“ Unter 2008 ist zu lesen: „Vaillant produziert im Werk Gelsenkirchen auf höchst effizientem Niveau und kann jährlich bis zu 150.000 Sonnenkollektoren mit einer Gesamtkollektorfläche von etwa 370.000 Quadratmetern produzieren.“

Ich frage mich, will Vaillant wirklich, dass unter 2018 steht: „Mit der Schließung des Werkes Gelsenkirchen verabschieden wir uns gegen alle Vernunft von einem Standort, der wie kaum ein anderer für Meilensteine unserer Produktgeschichte steht?“ Das kann doch nicht ernsthaft wirklich so gewollt sein!

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

als ich diese Rede vorbereitet habe, habe ich mich gefragt, ob ich den Verlust von Arbeitskräften bedauern soll, der wieder Gelsenkirchen trifft. Oder die Schicksale, die hinter jedem einzelnen Arbeitsplatz stehen. Ich habe mich entschlossen, das nicht zu tun, denn das hieße, dass ich mich schon mit der Schließung abgefunden hätte.

Genau das will ich aber nicht, denn es gibt weit mehr gute Gründe das Werk in Gelsenkirchen zu erhalten, statt es zu schließen. Und solange ich noch die Hoffnung habe, dass unternehmerische Vernunft in die Köpfe der Verantwortlichen einzieht, gebe ich keinen einzelnen Arbeitsplatz verloren.

Und ich denke, dass das die Belegschaft gemeinsam mit dem Betriebsrat genauso sieht und deshalb auch bereit ist, zu kämpfen. Die aktuelle Werbekampagne von Vaillant trägt den Titel: „Das gute Gefühl, das Richtige zu tun….Weil Vaillant weiter denkt.“ Zu lesen auf der Homepage, zu sehen in Werbespots im Fernsehen oder auf den LKW, die hochmoderne Produkte von Gelsenkirchen aus zu den Kunden transportieren.

Liebe Geschäftsleitung von Vaillant.

Im Moment habe ich das ganz ungute Gefühl, dass Sie das absolut Falsche tun. Und dass sie nicht weiter denken als bis zum Rand der Hochglanzbroschüren mit der nächsten Unternehmensbilanz. Noch ist es nicht zu spät, das Richtige zu tun. Machen Sie diesen unsinnigen Beschluss zur Schließung des Werkes in Gelsenkirchen so schnell wie möglich rückgängig!

Glück auf.