Arbeit und Wirtschaft in Gelsenkirchen

Chancen auf gute Arbeit – für alle

Wissenschaftspark

Arbeit ist die Grundlage unseres Wohlstandes und der Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe. Sie sichert Lebenssinn, Anerkennung und ist die Basis für ein selbstbestimmtes Leben. Nach unserem Verständnis von einer gerechten Gesellschaft darf niemand ausgeschlossen werden. Wir treiben den strukturellen Erneuerungsprozess unserer Stadt voran.

Wir sind zwar noch nicht am Ziel – Gelsenkirchen kämpft in der Folge des Strukturwandels und des Verlustes zehntausender Arbeitsplätze immer noch mit sehr hoher Arbeitslosigkeit. Hiervon sind vielfach Frauen betroffen. Aber: Ein gutes Stück dieses Weges haben wir bereits zurückgelegt. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse ist in 2006 von rund 68.000 auf über 74.000 in 2013 angewachsen. Jahr für Jahr sind über 1.000 mehr vollwertige Arbeitsplätze entstanden als weggefallen sind. Davon profitieren vor allem auch Menschen, die schon seit langer Zeit arbeitslos sind. Da täuscht so manches Ranking, das lediglich die Jetzt-Situation analysiert und nicht die Dynamik der Entwicklung unserer Stadt in den Blick nimmt.

Diese Entwicklung ist der Erfolg einer langfristig angelegten Strategie in der Wirtschaftsförderung, die ganz bewusst auf einen gesunden Branchenmix, die Ansiedlung kleinerer und mittlerer Unternehmen, die intensive Unterstützung bestehender Unternehmen sowie Bildung als wichtigem Bestandteil von Wirtschaftsförderung setzt. Darüber hinaus binden wir die bestehenden Wertschöpfungsketten – sei es im Bereich der Metallverarbeitung oder der Chemie-Industrie – in diese Strategie ein. Das zeigt auch nachhaltig Wirkung. Wir haben eine realistische Chance, Menschen auch in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, wenn die richtigen Instrumente mit einer entsprechend langfristigen Perspektive eingesetzt werden. Deshalb müssen Ausbildung, Weiterbildung und passgenaue Qualifizierung konsequent fortgeführt und so weiterentwickelt werden, dass die positive Tendenz auf unserem Arbeitsmarkt verstetigt wird. Dabei können wir auch auf die langjährige Erfahrung aller Akteure in Gelsenkirchen bauen – die Gewerkschaften, die Kammern und auch die Arbeitgeberverbände ziehen gemeinsam an einem Strang. Wir beziehen deshalb auch alle Netzwerke, die entstanden sind oder neu entstehen ein, wie z.B. das Kompetenzzentrum Frau & Beruf. Dabei steht die Steigerung des Fachkräfteangebotes sowie die weitere Absenkung der Arbeitslosigkeit sowie die Schaffung und Sicherung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse im Vordergrund. Gleichzeitig treten wir für den Abbau prekärer Beschäftigungsverhältnisse ein, von denen überdurchschnittlich oft Frauen betroffen sind. Folgerichtig ist deshalb die Kooperationsvereinbarung zwischen der Wirtschaftsförderung der Stadt Gelsenkirchen, dem Integrationscenter für Arbeit und der Agentur für Arbeit, die diesen Wachstumspfad in den kommenden Jahren mit neuen Impulsen beleben sollen.

Wir kämpfen für den „Gelsenkirchener Appell“

Wir dürfen aber auch die Schattenseiten des Strukturwandels nicht verschweigen: Trotz dieser positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bleibt die Sockelarbeitslosigkeit in Gelsenkirchen ein Problem, das wir ernst nehmen. Diese Sondersituation – immerhin haben wir durch den Strukturwandel allein in unserer Stadt knapp 100.000 Arbeitsplätze verloren – führt dazu, dass bundesweit geltende Erkenntnisse zur Arbeitsmarktpolitik für Gelsenkirchen nur bedingt gelten können. Einschränkungen oder gar der Verzicht auf arbeitsmarktpolitische Instrumente sind deshalb für Gelsenkirchen nicht hinnehmbar. Es ergibt sich vielmehr ein zusätzlicher Bedarf für passgenaue Angebote, die sich an Menschen richten, die trotz aller Bemühungen auf absehbare Zeit keine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt haben.

Allen Erfolgen auf dem ersten Arbeitsmarkt zum Trotz macht es keinen Sinn, die Perspektiven für diese Menschen ausschließlich auf die kurzfristige Integration in den ersten Arbeitsmarkt auszurichten. Deshalb unterstützen wir die Initiative der Gelsenkirchener Wohlfahrtsverbände für den „Gelsenkirchener Appell“ als Einstieg in einen sozialen Arbeitsmarkt – und kämpfen in Berlin und Düsseldorf für die Chance, dieses Konzept Realität werden zu lassen. Denn: Das kann die Stadt mit den ihr zur Verfügung stehenden Instrumenten nicht allein schaffen.

Gute Arbeit  – auch für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Die demografische Entwicklung sorgt gleich mehrfach dafür, dass sich die Arbeitswelt verändert. Durch den Mangel an Nachwuchskräften werden ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verstärkt nachgefragt. Diese Entwicklung ist schon heute deutlich spürbar und wird sich noch verstärken. Hier sind alle Akteure, allen voran aber die Unternehmen gefordert, entsprechende Bedingungen zu schaffen. Dazu gehören Weiterbildungsangebote ebenso wie eine gesunde und altersgerechte Ausstattung der Arbeitsplätze.

Netzwerke und lokale Ökonomie

Neue Netzwerke schaffen, bestehende ausbauen und die lokale Ökonomie stärken – das ist die sozialdemokratische Antwort auf die strukturellen Herausforderungen unserer Zeit, insbesondere mit Blick auf gut qualifizierte Menschen. Allerdings kann das gerade mit Blick auf die ursächliche Nachfrage nach Arbeitskräften nicht nur von der Kommune bewältigt werden. Hier sind Unternehmen gefordert, attraktive Arbeitsplätze für berufstätige Menschen anzubieten. Gerade in Gelsenkirchen gibt es bereits eine große Zahl von Unternehmen, die sich mit diesem Anspruch betätigen. Grundlage dafür sind die erfolgreichen Netzwerkstrukturen von Gewerkschaften und Unternehmen, Beschäftigten, IAG und Arbeitsverwaltung, Kompetenzzentrum Frau und Beruf (ZFBT) sowie Rat und Verwaltung der Stadt Gelsenkirchen.

Reale Chancen und neue Leitmärkte

Aktive Arbeitsmarktpolitik und Wirtschaftsförderung bedingen sich gegenseitig. Der Wandel in unserer Stadt und ihrer Wirtschaft ist unaufhaltsam. Früher prägten wenige Großbetriebe, vorwiegend aus den Bereichen Kohle und Stahl das Stadtbild. Mittlerweile verfügen wir über eine vielfältige Landschaft von kleinen und mittleren Unternehmen. Neue Leitmärkte und Dienstleistungsbereiche bestimmen heute das Bild unserer Stadt. Fast ein Fünftel aller Arbeitsplätze stellt heute der Gesundheitsbereich, gefolgt von knapp 13 Prozent im Bereich Bauen und Wohnen sowie rund zehn Prozent in der Mobilitätswirtschaft. Jeweils zwischen sieben und fünf Prozent arbeiten in den Bereichen Energiewirtschaft, Freizeit und Forschung. Dieser Mix verbessert die Möglichkeiten von Männern und Frauen zu beruflicher Teilhabe. Gerade in der Krise hat sich gezeigt, dass die Gelsenkirchener Wirtschaftsstruktur heute stabiler und zukunftsorientierter ist als je zuvor. Deshalb müssen und werden wir die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Forschung nachhaltig vorantreiben.

Logistische Möglichkeiten, Technologiewandel, die immensen Möglichkeiten des IT-Bereichs und die demografische Entwicklung schaffen Grundlagen für neue Produkte und damit für neue Märkte. Unsere langfristig orientierte Politik vor Ort beginnt Früchte zu tragen.

Industrie als Anker und Basis

Industrielle Arbeitsplätze sind bis heute wichtiger Bestandteil der Wirtschaftsstruktur in unserer Stadt. Die industrielle Produktion ist kein Auslaufmodell. Im Gegenteil: Industrieunternehmen sorgen nach wie vor für technische Innovationen. In ihrem Umfeld siedeln sich wichtige industrienahe Dienstleistungsunternehmen an. Mit fast 15 Prozent der Arbeitsplätze bildet die Industrie den zweitgrößten Einzelsektor unserer Stadt und seit 2011 sind hier allein fast 1.300 überwiegend Vollzeitarbeitsplätze hinzugekommen. Deshalb ist das klare Bekenntnis zum Industriestandort Gelsenkirchen für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten die Basis für eine solide wirtschaftliche Entwicklung. Dazu gehört auch die planerische Sicherheit für die Norderweiterung des Chemiestandortes Scholven sowie die Aufbereitung und Neunutzung vorhandener Brachflächen. Bestandspflege ist zwar wichtige Grundlage der Wirtschaftsförderung; wir werden aber auch weiterhin dafür sorgen, dass der Umstrukturierungsprozess zu einer Wirtschaftsstruktur mit vielen starken Standbeinen der erfolgreiche Entwicklungspfad für die Gelsenkirchener Wirtschaftsförderung bleibt. Wissenstransfer und Kooperation zwischen Hochschulen und Wirtschaft ist eine Schlüsselressource, die ständiger Weiterentwicklung bedarf. Darin wollen wir noch besser werden.

Zukunft braucht die Region

Entscheidend für unsere Zukunft wird es sein, die Verbindung zwischen industriellem Kern und neuen Leitmärkten so auszugestalten, dass sie letztendlich in eine zukunftsgerichtete, ökonomisch prosperierende, nachhaltige, vernetzte und menschengerechte Wirtschaftslandschaft mündet, die eng mit dem Wissenschafts- und Forschungsstandort verzahnt ist. Dabei kommt es vor allem darauf an, die wesentlichen Leitmärkte (Energiewirtschaft, Wasserwirtschaft, Metallverarbeitung, Logistik, Informationstechnologie, Gesundheitswirtschaft) zu fördern und zu entwickeln und zugleich die regionale Vernetzung zu stärken, um die Position auch der Region bereits kurzfristig zu stärken. Ein Anfang ist bereits gemacht. Mit dem Konzept „Umbau 21“ als Weiterentwicklung der Strukturfördergesellschaft WiN Emscher-Lippe entwickelt Gelsenkirchen gemeinsam mit Land, Stadt Bottrop, Kreis Recklinghausen, DGB, IHK sowie der Bezirksregierung Münster eine neue Basis für erfolgreiche Wirtschaftsförderungs- und Strukturpolitik in der Region. Hierbei geht es darum, bestehende Stärken besser nutzbar zu machen, die städtische und regionale Erneuerung zu einem Markenzeichen werden zu lassen sowie einen besseren Nährboden für wirtschaftliche und wissenschaftliche Impulse und Innovationen zu schaffen.

Unsere Ziele für Gelsenkirchen auf einen Blick:

  • Wir wollen den Anteil geringfügiger Beschäftigung weiter reduzieren – jede und jeder muss von ihrer/seiner Arbeit leben können.
  • Jugendlichen ohne Abschluss werden wir zielgerichtet dabei helfen, einen berufsqualifizierenden Abschluss zu erreichen.
  • Übergänge zwischen Schule-Schule, Schule-Ausbildung und Schule-Beruf müssen so gestaltet werden, dass Brüche vermieden werden.
  • Wir setzen uns für eine noch stärker städteübergreifend tätige Ausbildungsförderung im Emscher-Lippe-Raum sowie den Ausbau von Ausbildungsverbünden ein.
  • (Langzeit-)Arbeitslose müssen so qualifiziert werden, dass sie reale Chancen auf einen Arbeitsplatz erhalten.
  • Die SPD tritt ein für den Gelsenkirchener Appell.
  • Wir stehen ein für Möglichkeiten der Weiterqualifizierung und Fortbildung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, Klein- und Soloselbstständigen, um den Anforderungen der Arbeitswelt besser gerecht werden zu können – das Prinzip des „Lebenslangen Lernens“.
  • Wir wollen gute Arbeit für junge und ältere Menschen in Gelsenkirchen, für hoch qualifizierte und auch für jene mit geringen Qualifikationen.
  • Bestehende Fördermöglichkeiten und Integrationsinstrumente sind aus unserer Sicht fortlaufend zu überprüfen und zu verbessern.
  • Wir werden Existenzgründungen unterstützen.
  • Wir wollen die Zusammenarbeit mit der Westfälischen Hochschule weiter ausbauen und die an der Hochschule erfolgreich praktizierte Förderung von Talenten auf andere Bereiche ausdehnen.
  • In Kooperation mit der heimischen Wirtschaft werden wir gerade im Hinblick auf akademisch ausgebildete Fachkräfte noch intensiver an neuen Konzepten arbeiten.
  • Wir stehen für industrielle Arbeitsplätze – ohne Wenn und Aber.
  • Um Hemmnisse bei der Schaffung von Ausbildungsplätzen abzubauen, sollen Selbstständige besondere Beratung erhalten.
  • Wir wollen eine erfolgreiche Verzahnung der städtischen mit der regionalen Wirtschaftsförderung (Umbau 21) sowie die Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr (wmr).