„KAUE hat einen hohen Stellenwert“

Taner Ünalgan, Kulturpolitischer Sprecher

Taner Ünalgan über die Zukunft der KAUE als Kulturort

Industriekultur pur! Dafür steht im Stadtteil Gelsenkirchen-Schalke an der Wilhelminenstraße seit nun knapp 30 Jahren die KAUE. Das Zusammenspiel von industriellem Erbe und Kulturbetrieb wird hier gelebt und hat weit über Gelsenkirchen Strahlkraft. Mit ihrem Programm von Kleinkunst- und Kabarettveranstaltungen über Konzerte und Partys hat die KAUE in den vielen Jahren entscheidend zum vielfältigen kulturellen Leben in Gelsenkirchen beigetragen. Umso größer war das Echo auf die Nachricht, dass die Stadtwerke Gelsenkirchen den Mietvertrag der KAUE zum 30. Juni 2021 gekündigt haben.

Über Perspektiven für die KAUE und über den Restart des Kulturbetriebs in Gelsenkirchen nach dem Corona-Lockdown sprach die Redaktion des "Blickpunkt" (Zeitungsbeilage der SPD-Ratsfraktion in Gelsenkirchen) mit dem kulturpolitischen Sprecher der SPD-Ratsfraktion, Taner Ünalgan.

Blickpunkt: Taner, kannst du unseren Leser:innen bitte die Entwicklungen rund um die Kündigung der KAUE durch die Stadtwerke erläutern?

Ünalgan: Gerne! Es ist so, dass die KAUE der VEWO Wohnungsverwaltung GmbH gehört. Zwischen dieser Immobilieneigentümerin und den Gelsenkirchener Stadtwerken bestand seit Jahren ein Mietvertrag, für den jedes Jahr rund 100.000 Euro an Kosten anfielen. Unsere Stadtwerke sind, wie auch in vielen anderen Kommunen, in einer herausfordernden Lage. Vor kurzem wurde dann öffentlich bekannt, dass der ehemalige Stadtwerke-Geschäftsführer diesen Mietvertrag mit der VEWO für Mitte 2021 gekündigt hatte, sodass die allgemeine Besorgnis nicht nur die KAUE betraf, sondern auch daher rührte, dass der Eindruck entstand, da sollten still und heimlich Fakten geschaffen werden. Aus unseren internen Gesprächen weiß ich aber, dass für unsere Oberbürgermeisterin Karin Welge klar war, dass sie die KAUE erhalten will. Sie ist jemand, der erst die Arbeit erledigt, bevor sie sie irgendwo verkündet und da der neue Geschäftsführer der Stadtwerke, Harald Förster, ziemlich neu in dieser Position war, wurde schlicht noch Zeit benötigt, um sich einerseits tief genug einzuarbeiten und andererseits einen wasserfesten Zukunftsplan zu entwerfen. Ich bin froh darüber, dass wir in unserer SPD-Ratsfraktion niemanden haben, der den Stellenwert der KAUE oder von Kultur allgemein infrage stellt. Ich weiß aber auch, dass wir bei unserer Finanzlage sehr gründlich überlegen müssen, wie wir solche Ziele ganz konkret erreichen können.

Blickpunkt: In der Sitzung des Hauptausschusses im Mai hat Oberbürgermeisterin Karin Welge dann erläutert, dass die KAUE als Veranstaltungsort für Gelsenkirchen auch zukünftig erhalten bleibt.

Ünalgan: Ja, genau. Sie hat dann eben sehr schnell klargestellt, dass es nicht darum geht, „ob“ die KAUE als Kulturort erhalten bleibt, sondern allein um das „wie“. Genau das ist jetzt die Frage. Ich bin sehr dafür, dass wir uns nun genügend Zeit nehmen, um das miteinander zu besprechen. Hoffentlich können wir so eine Perspektive entwickeln, die im besten Falle von Nachhaltigkeit geprägt ist.

Blickpunkt: Wie wird sich die SPD dabei einbringen?

Ünalgan: Vor ein paar Wochen habe ich die zuständige Beigeordnete, Frau Heselhaus und die Leiterin des Kulturreferats, Frau Lamest, zusammen mit allen demokratischen Vertreter:innen aus dem Kulturausschuss – dazu zählt die AfD nicht - zu einem Austausch eingeladen, um genau darüber zu sprechen, wie wir einen guten Prozess gestalten können. Dabei haben wir uns dafür stark gemacht, dass das Thema der Beteiligung großgeschrieben wird, weil ich auch glaube, dass da ein paar interessante Ideen zusammenkommen werden. Wir haben nämlich großes Potential in unserer Stadt und in der lokalen Kulturszene. Es ist nun so, dass ein neuer Mietvertrag unterschrieben wird, der für ein paar Jahre befristet ist. Außerdem wird die emschertainment GmbH noch einige Veranstaltungen in der KAUE nachholen, die aufgrund der Pandemie nicht mehr stattgefunden haben. Währenddessen können sich alle, die eine Idee für die KAUE haben, einbringen und ihre Konzepte auf der Grundlage der Rahmendaten der Stadt einreichen. Danach wird die Stadt nach den Sommerferien zu einer großen Runde einladen, um bei einer Programmkonferenz über die verschiedenen Ideen und Konzepte zu sprechen. Interessierte können sich gerne auch an uns wenden, dann können wir sie dabei unterstützen, an die richtigen Stellen zu kommen.

Blickpunkt: Der Corona-Lockdown hat auch die Kulturbranche hart getroffen. Wie unterstützt die Politik die lokale Kulturszene?

Ünalgan: Ich finde die Frage gar nicht so einfach, wie sie im ersten Moment vielleicht klingt. Ja, wir haben vor ein paar Monaten einen Haushalt im Rat beschlossen, in dem wir einen Fokus daraufgelegt haben, die Gelsenkirchener Kulturszene so gut es eben geht, zu unterstützen. Ehrlicherweise nicht einfach so, sondern, weil wir davon überzeugt sind, dass das für den Zusammenhalt in unserer Stadtgesellschaft bewirken kann. Dazu zählen etwa 50.000 Euro für pandemiebedingte Ausgleiche, auch die Künstler:innenstipendien, 120.000 Euro für einen ganzheitlichen und ebenfalls beteiligungsorientierten Kulturentwicklungsplan oder auch noch einmal 30.000 Euro zur Kompensation des ausgefallenen Kulturcents. Uns ist aber zugleich völlig bewusst, dass das nicht genug ist und genau das finde ich an der Frage so schwierig. Mit uns muss niemand darüber streiten, dass die KAUE einen hohen Stellenwert hat, wie die gesamte Kulturszene in ihrer Vielfalt, weil wir um ihre Bedeutung wissen. Friedrich von Schiller schrieb nicht umsonst: „…die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.“ Wir stoßen aber an Grenzen, wenn es um das Geld geht. Die Finanzlage in Gelsenkirchen ist alles andere als einfach und die Kosten der Pandemie machen es für uns alle noch einmal schwieriger. Wir haben in unserer Stadt kreative Leute und so manche kreativen Ideen, aber wir müssen gegenüber Land und Bund auch weiter dafür streiten, dass Städte wie Gelsenkirchen endlich angemessen entlastet werden, denn das Leben der Menschen spielt sich hier vor Ort ab, hier entscheidet sich, ob das Zusammenleben gelingt.